Mein Tag als Erntehelferin

  • Beitrag veröffentlicht:18. Juli 2023
Du betrachtest gerade Mein Tag als Erntehelferin

„Erntehelfer*in gesucht“ las ich im internen Forum, das ist DIE Gelegenheit, meine erste Erfahrung als Erntehelferin zu machen. Da es bei der Arbeit diese Woche ruhig war, habe ich spontan die Überstunden genutzt und den Freitagvormittag freigeschaufelt

Nach Rücksprache mit dem Gartenteam stand ich voller Elan am Freitag um 7:30 Uhr in der Gärtnerei. Spontan kam noch eine weitere Helferin dazu, womit wir zu viert vor der Tafel des zu erntenden Gemüses standen. Schnell wurden wir vom Gartenteam den Tomaten zugewiesen. Nach einer Einweisung in die Tomatensorten, deren Reifegrade mit Anschauungsbeispielen ging es für uns zwei Erntehelferinnen durch die Reihen. So stand ich also vor den Tomatenstauden, suchend nach den zu erntenden Tomaten. Schnell kam die Mathematikerseele in mir hoch: Ist der Reifegrad genug für die Ernte? Sollte die Frucht noch etwas länger hängen bleiben? Und wo ich noch so darüber nachdenke, die reifen Tomaten zu finden, sehe ich mit welchem Eifer und Fortschritt die Erntehelferin im parallelen Gang unterwegs ist. Also, alles Nachdenken zur Seite gepackt, erinnere ich mich an die Worte des Gartenteams, dass man nicht viel falsch machen und ruhig auch mal zu früh zu ernten kann. Los geht’s und schon füllten sich auch meine Kisten mit Tomaten. Rauf und runter die Gänge, bis wir zufrieden waren mit unserer Ausbeute.

Eine der Helferinnen musste aufbrechen und zum Glück war jemand Neues mit an Bord. Meine nächste Aufgabe waren die Lauchzwiebeln, es galt noch ein kleines Beet abzuräumen. Erneut wurde mir mit Engelsgeduld erklärt, wie die Lauchzwiebeln zu ernten sind: In Bündeln werden diese aus der Erde gezogen. Mit etwas Übermut ging ich von Bündel zu Bündel und hoppla: zu hoch gegriffen und die Lauchzwiebeln waren entzweit. Na gut, das Grün der Lauchzwiebel ist auch nicht zu verachten. Mit verfeinerter Technik ging es weiter ans Werk. An der nächsten Station wurde anschaulich erklärt, wie die Lauchzwiebeln der gelblichen Blättern entledigt und mit Gummis gebündelt werden. Dann gab es noch einen kleinen Frisurenschnitt um die überflüssigen Wurzeln zu entfernen und nach einer Dusche durften die Bündel in die Kiste für die Abholung. Parallel ernteten die anderen Gurken und Auberginen.

Für die nächste Etappe wurde das Auto mit Schubkarre und Kisten bepackt und es ging zum Außeneinsatz zum Brunnweg. Dort stiefelten wir mir unseren Kisten und Karren bis ans Ende des Gartengrundstücks. Vorsorglich stellte das Gartenteam den Strom ab, so dass wir mit elegantem Schwung und ohne Sorge „eine gewischt zu bekommen“ den Zaun überwinden konnten. Meine Mitstreiterin und ich wurden den Bohnen zugeteilt. Nach einer kurzen Einweisung ging es Seite an Seite durch die Reihen. So langsam machte sich bemerkbar, dass mein Bürojob doch eine andere körperliche Belastung ist. Es fing im Rücken an zu zwicken und die Beine wurden schwer. Mit Unterstützung des Gartenteams waren am Ende die Kisten gefüllt mit Zucchinis und Bohnen. Bevor es wieder zurück zur Gärtnerei ging, machten wir einen Abstecher zum Grundstück am Hammelsbrunnen für die Rote Beete. Wieder mit neu erlernter Technik, Rote Beete zu bündeln, waren die Kisten schnell gefüllt und wir brachten die Ausbeute zur Gärtnerei.

Die Zeit ist wie im Fluge verstrichen und leider musste ich wieder zurück an meinen Schreibtisch. Die anderen erledigten die letzten Arbeiten, so dass sich alle Samstagsabholenden auf Ihre Ernte freuen können.

Mit dieser Erfahrung habe ich einen ganz neuen Einblick bekommen, was es heißt, die Ernte für die Abholung bereitzustellen. Mit großem Engagement und Hingabe bereiten unser Gartenteam wie auch die freiwilligen Helfer*innen die Abholung für uns vor, egal bei welchem Wetter.

Ich hoffe, dass ich euch mit diesem kleinen Einblick inspirieren kann, mal bei der Ernte mitzuhelfen. Macht euch die Zeit frei, sprecht vorher mit dem Gartenteam ab, wann ihr helfen könnt. Es ist sicher auch eine schöne Gemeinschaftsaktion mit einem Familienmitglied oder Freund*in.

Für alle Mitglieder bei der Abholung: Wenn ihr vor den Erntekisten steht und vielleicht mal was dabei ist, was Euch nicht so zusagt: Nehmt es dennoch mit und zeigt damit eure Wertschätzung für die Arbeit, die dahinter steckt und die weitaus früher anfängt als bei der Ernte. Nachbarn und Freund*innen freuen sich darüber oder probiert einfach mal neue Rezepte aus.

Nach getaner Erntearbeit finde ich mich glücklich zurück an meinem Schreibtischstuhl, sehe meine Emails durch und die anstehenden Aufgaben. Der ein oder andere aufgebrachte Kunde meldet sich, doch nach der Erfahrung in der Gärtnerei kann heute nichts mehr kommen, was mich aus der Ruhe bringt.

Viele Grüße von einem Solawi-Mitglied